Rezension – Girl On The Train

Sie wird die tiefen Abgründe der ihr vermeintlich bekannten Personen kennenlernen – genau so wie ihre eigenen. Du wirst sie verabscheuen aber sie wird es schaffen dich süchtig nach ihrer Geschichte zu machen – die Rede ist von Rachel. Sie ist Girl on the Train.

girl on the train_Cover

Die Story

Rachels Geschichte beginnt mit eintönigen Fahrten nach London zur Arbeit. Im Grunde dreht sich ihr ganzes Leben nur um die Zugfahrten und den Gin Tonic am Wochenende. Besonders gern beobachtet Rachel das Haus an der Bahnstrecke, in dem Jess und Jason wohnen. So nennt sie das junge Pärchen, von denen sie glaubt, dass sie ein perfektes Leben führen. Doch schon bald wird Rachel durch ein Ereignis aufgewühlt. Nach ein paar Gin Tonic kann sie sich schließlich nicht mehr zurückhalten und fährt zu dem Haus von Jess. Leider ist sie dabei so betrunken, dass sie sich am Morgen danach an nichts erinnern kann. Sichtlich gezeichnet von den Geschehnissen kommt Rachel nach Hause. Das Dumme, genau an diesem Abend verschwindet auch Jess alias Megan – sie wird von ihrem Ehemann als vermisst gemeldet. Was ist passiert? Kennt Rachel den Schlüssel zur Auflösung von Megans Verschwinden? Ab diesem Punkt nimmt die Erzählung immer mehr Fahrt auf. Durch die zeitversetzte Erzählweise und die wechselnde Perspektive, der drei weiblichen Hauptfiguren, bleibt es bis zum Schluss spannend und undurchsichtig, wer der tatsächliche Täter ist. Am Ende öffnet sich ein schreckliches Szenario, das dem Leser definitiv den letzten Gnadenstoß gibt.

Die Figuren

Rachel

Eine große Herausforderung beim Lesen stellte für mich gar nicht so sehr das furchtbare Ende des Buches dar, sondern viel mehr das Kennenlernen von Rachels Welt. Ihre Figur ist polarisierend, labil und teilweise abstoßend. Rachel wird als eine ungepflegte, träge Frau mit einem Alkoholproblem beschrieben, die sich selbst und das Leben nicht im Griff hat.

Rachel befindet sich in jeder Hinsicht am Tiefpunkt ihres Lebens. Ihr Gefangensein in der Vergangenheit und ihre Unfähigkeit ihr Leben zu ändern hat mich aufgeregt. Schwankend zwischen Abscheu und Mitleid, hätte ich sie am liebsten durchgeschüttelt und ihr ins Gewissen geredet. Irgendwann während den Ermittlungen zeigt Rachel ihre alte Stärke und Selbstbewusstsein. Doch ihre Vergangenheit holt sie immer wieder ein und bringt ihre Gefühlswelt durcheinander.

Rachels Problem ist vor allem die Unsicherheit bezüglich ihres Selbstbildes. Die schwammigen Erinnerungen an die alkoholdurchtränkten Abende (noch während ihres damaligen Ehelebens), entlarven Rachel als eine unberechenbare und aggressive Person – ein Bild dem sich Rachel fügt, weil die Zeichen offensichtlich sind, doch gleichzeitig kann sie dem schwer Glauben schenken.

Megan

Eine sehr attraktive, junge Frau, die scheinbar ein perfektes Leben führt. Doch es ist nicht alles Gold was glänzt, Megan verbirgt viele Geheimnisse, von denen keiner etwas ahnt. Sie ist unberechenbar, labil und auf der Suche nach dem nächsten Kick, um ihre inneren Dämone zu betäuben.

Mit ihrem etwas cholerischen Mann hat Megan momentan Eheprobleme. Es gibt viel Eifersucht und Streit. Wegen ihrer inneren Unruhe fängt sie an zum Psychologen zu gehen.

Anna

Sie ist die neue Ehefrau von Rachels Exmann. Eine hübsche Frau, die Rachel den Mann ausgespannt hat und mit ihm eine glückliche Familie gegründet hat. Aktuell ist Anna aber nur noch überfordert mit dem Muttersein und immer wieder aufgebracht wegen der Tatsache, dass Rachel ihren Mann kontaktiert. Damit Anna sich erholen kann, stellt sie und ihr Mann, ihre Nachbarin (Megan) als Nanny ein.

Annas Mann hat scheinbar kein Glück und führt immer wieder ein kompliziertes Liebesleben. Erst wird die Ehe mit Rachel zu einer Katastrophe, woraufhin er sie betrügt. Und jetzt verliert auch die Ehe mit Anna ihre Erotik und Streit wird zum wiederkehrenden Alltag. Trotzdem scheint er sie nicht verlassen zu wollen.

Alles nur geklaut?

Paula Hawkins „Girl on the Train“ erinnert nicht nur vom Titel her an Gillian Flynns „Gone Girl“. Jeder Figur ist das Schlimmste und zugleich das Harmloseste zuzutrauen. Trotzdem ist das Buch eine solide Thrillerarbeit.

30. Juni 2015, Bernd Graff, Süddeutsche Zeitung

Paula Hawkins Debütroman kämpft immer wieder gegen den Vorwurf eine Kopie von Gone Girl zu sein. Es gibt durchaus einige Parallelen zum Gillian Flynns Werk: Der Drehpunkt beider Romane ist das rätselhafte Verschwinden und die fieberhafte Suche nach dem Opfer (in Girl on the Train: wird Megan und in Gone Girl: Amy gesucht). Beide Opfer sind Ehefrauen von Männern, die nach ihrem Verschwinden stark ins Licht der Öffentlichkeit rücken und durch verschiedene Motive immer mehr verdächtig werden. Beide Romane erzählen eine dunkle Geschichte und sind voller Geheimnisse, wie auch psychischer Probleme. Der Unterschied: Die Art der Tat und die Auflösung. Und, bei Girl on the Train ist der Schluss besonders grausam.

Im Endeffekt sind sich die meisten Kritiker und Journalisten einig – die britische Autorin hat einen packenden und aufwühlenden Thriller geschaffen, der auch neben Gone Girl leben kann. Einige Leserstimmen sagen, es habe mehr Spaß gemacht Girl on the Train zu lesen als Gone Girl – es sei auf jeden Fall schneller in der Entwicklung des Plots und dadurch spannender zu lesen. Anderen wiederum gefällt nicht die Dunkelheit und die psychisch kaputten Charaktere von Hawkins Werk.

Kritik

Für ein großes Minus sorgt der kurz vor dem Ende abrupt abfallende Spannungsbogen. Hier werden, wie ich finde, keine entscheidenen Details mehr vorgestellt und die Auflösung künstlich hinausgezögert. An dieser Stelle habe ich die Seiten nur noch überflogen, weil ich endlich wissen wollte wie es ausgeht. Das tatsächliche Ende war für meinen Geschmack etwas zu einfach und klischeehaft – als wäre es einem schlechten Film entsprungen. Ich hatte das Gefühl ein ähnliches Szenario schon mehrmals gesehen/gelesen zu haben. Den letzten Akt (um auf die dramaturgische Struktur zurückzugreifen) fand ich aber trotzdem gut. Das wirklich unerwartete Ende hat den abschließenden Eindruck über das Buch entscheidend gerettet.

Fazit

Girl on the Train ist durchaus empfehlenswert – für abgehärtete Leser, die auf der Suche nach undurchschaubaren Verwicklungen und einem psychologisch dunklen aber leichten Thriller sind. Es ist populär geschriebene Lektüre, die sich schnell durchliest und lange die Spannung hält. Alle Hinweise die auf den wahren Täter führen, werden von Hawkins gekonnt durch die Motive der anderen Figuren versteckt. Bis zum Schluss ist Jedem und gleichzeitig Niemandem so eine schreckliche Tat zu zutrauen. An dieser Stelle Danke an Lisa von Medienmädchen für das Ausleihen des Buchs. Das Buch hat es geschafft mich süchtig zu machen. Als die Buchdeckel letztendlich zufielen, lies es mich mit gemischten Gefühlen zurück.

Wie findest du das Buch?

Hast du schon beide Bücher gelesen? Ich habe zu Gone Girl leider nur den Film geschaut. Welches Buch ist deiner Meinung nach besser? Schreib mir.

Signatur-Deine Darya

1 Kommentare

  1. Pingback: Girl on the Train | FilmkritikenOD

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.