Rezension – Ab heute heiße ich Margo

Und was macht ihr so auf Arbeit? Ich darf in letzter Zeit bei meinem Nebenjob einige Routineaufgaben übernehmen. Und das ist gut, denn so bekomme ich die Gelegenheit nebenbei meine Leseliste abzuarbeiten. Das Lesen ist neben der Masterarbeit momentan etwas schwierig und kommt viel zu kurz. Deswegen greife ich seit Monaten fast nur auf Hörbücher zurück.

Das Hörbuch, das ich euch vorstellen möchte, habe ich auf Arbeit förmlich aufgesogen. Die Schriftstellerin Cora Stephan kannte ich bisher noch nicht. Wie ich rausfand, heißt ihr letztes Buch Angela Merkel – Ein Irrtum. Es polarisierte 2011 die Medien. Überwiegend befasst sich Stephan mit politischen, gesellschaftskritischen und geschichtlichen Themen. Mit dem Buch Ab heute heiße ich Margo verfasst sie ihren ersten Roman.

Zum Inhalt und den Hauptfiguren

Erzählt wird die Lebensgeschichte von Margarete Hegewald und Helene Minkus. Diese beginnt in den Dreißigerjahren in Stendal und dehnt sich bis zu der Generation der Kinder und Enkelkinder aus. Ich möchte nicht zu viel vorweg nehmen, deswegen nur soviel: Was Margo und Helene verbindet, ist ein Geheimnis, das ihr Leben bis ins hohe Alter noch beeinflusst und miteinander verwebt. Es ist spannend, den inneren Kampf der Frauen und ihre Suche nach Trost im Leben zu verfolgen. Interessant ist auch der Einfluss der fehlenden Hoffnung und Mutterliebe auf die Generation der Kinder. Das Leben der Kinder wird von Rastlosigkeit und Rebellion geprägt. Bereits der Buchtitel Ab heute heiße ich Margo lässt erahnen, dass das Buch von einem emotionalen Wandel der Charaktere erzählt.

Besonders stark finde ich die Charaktere, die sehr glaubwürdig dargestellt sind. Diese wirken wie aus dem Leben gegriffen und gar nicht so sehr der Phantasie eines Schriftstellers entsprungen. Und dieser Eindruck kommt nicht von ungefähr. Die Schriftstellerin Cora Stephan nimmt die Inspiration für den Stoff aus eigenen Familienkreisen – angelehnt an die Erinnerungen ihrer Mutter, ihres Vater und die detaillierten Aufzeichnungen ihrer Tante. (siehe ndr-Artikel) Während der Erzählung sind die geschichtlichen Ereignisse allgegenwärtig. Im Vordergrund spielt aber die emotionale Welt der Charaktere, was das Buch nicht zu einem typischen Nachkriegszeit-Roman macht.

Zur Gefühlswelt von Margo und Helene

Nicht nur der kommende Krieg lässt Margarete schnell erwachsen werden, sondern auch die komplizierte und anstrengende Situation in der Familie Hegewald. Das junge Mädchen verzichtet auf Studium und fängt auf eigenen Wunsch eine Ausbildung in der Verwaltung eines Fotoateliers an. Dort stößt ihr Ehrgeiz auf wenig Anerkennung – doch das ist Margarete egal. Margaretes Ziel ist es, schnell unabhängig zu werden. Unabhängig von ihrem rumnörgelnden Vater und dem Rest der Familie. Als Zeichen ihres Erwachsenwerdens will sie bald nur noch Margo genannt werden. Margos Charakter zeichnet sich durch knallharte Willensstärke, Eigensinn und Unabhängigkeit aus. Bereits im jungen Alter lässt sich Margo nichts sagen und handelt eher zum eigenem Vorteil. Als der Krieg beginnt, nimmt er der jungen Frau letztendlich alle vorhandenen romantischen Vorstellungen vom Leben und der Liebe. Margo wird zunehmend kühler und berechnend. Das wird später besonders in der Beziehung zu ihrem Ehemann und ihrer Tochter erkennbar.

Beide Frauen bekommen „einen emotionalen Riss“, den sie versuchen mit Arbeit und Sex zu füllen.

Einen ähnlich eigenwilligen und starken Charakter hat auch Helene. Sie ist eine junge Kriegsfotografin und hat schon einiges während ihres Auslandsaufenthalts durchgemacht. In Deutschland wieder zurück, arbeitet sie im Fotoatelier, wo sie auch Margo kennenlernt. Die Zeit der Flucht im Zweiten Weltkrieg und die erlebte Gewalt prägen beide Frauen. Auch Helenes Charakter lässt sich als besonders dickhäutig beschreiben.

Alles in allem würde ich die beiden Charaktere nicht unbedingt als sympathisch bezeichnen. Trotzdem hat es Cora Stephan mit ihrer angenehmen und fesselnden Erzählweise geschafft, dass ich mich in gewisser Art mit ihnen identifizieren konnte. Wobei mir während der ganzen Geschichte Margo angenehmer erscheint als Helene. Das was Helene getan hat, finde ich einfach unverzeihlich. Wie kann man so furchtbar kaltherzig und stur sein!?

Fazit

Ein weiteres Hörbuch, das ich durchaus empfehlen kann. Ein Roman aus der Kriegszeit, der aber trotzdem irgendwie nicht belastend wirkt. Eine Geschichte, die die Realität mit allen ihren Facetten darstellt – stellenweise aufregend und schön, aber auch desillusionierend und hart. Es fällt mir schwer, das Buch treffend zu beschreiben: Es handelt in gewisser Weise von Liebe ist aber auf keinen Fall ein romantischer Liebesroman. Es stellt überwiegend die Zeit während und nach dem Zweiten Weltkrieg dar, ist aber nicht nur ein Kriegsroman. Die Geschichte ist nicht neu. Es wird das Leben zweier Frauen erzählt, die durch den Krieg alles verloren haben und in der Nachkriegszeit hartnäckig versuchen ihr Leben wieder aufzubauen. Trotzdem kann ich euch sagen, das Buch ist fesselnd. Einmal angefangen, werdet ihr es höchstwahrscheinlich nicht so schnell weglegen wollen.

Signatur-Darya

 

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